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Eine Frage der Betriebswirtschaft |
| Spritpreis als Straßenfeger |
David M. Katz. Brandenburg an der Havel. Wissen Sie noch, was ein „Straßenfeger“ ist? Nein? Nun „Das Halstuch“ von Francis Durbridge oder gewisse Endspiele bei Fußballweltmeisterschaften sind solche Straßenfeger – denn sie leeren die Straßen von Menschen, weil die bei der Ausstrahlung solcher Sendungen in der Mehrheit vor ihren Fernsehgeräten hocken.
Dröge Fernsehformate aber haben nicht das Zeug zum Straßenfeger. Diese Aufgabe übernehmen mittlerweile die hohen Preise an den Zapfsäulen der Tankstellen und – damit in unmittelbarem Zusammenhang stehend – die kognitiv eher in der Holzklasse reisenden Entscheidungsträger der Berliner Regierung.
Früher hieß es: „Wer nichts wird, wird Wirt!“ Dann wurde das Abitur in seinem Niveau sukzessive abgeflacht und die Hochschulberechtigung öffnete sich für weitere Kreise der Bevölkerung … vor allem auch für jene, welche früher nicht einmal in die Nähe der mittleren Reife gelangt wären.
Alles wollte und sollte nun partout studieren!
Doch nicht jedes Studium ist für jedermann geeignet. Also höhnten die „Vier Großen“, Theologie, Juristerei, Medizin und Philosophie, alsbald die Betriebswirtschaftler, despektierlich kurz BWLer genannt, im Sinne des eingangs zitierten Spottverses und brachten damit zum Ausdruck, welche Geringschätzung sie dieser Ausbildung beimaßen.
Wir hingegen denken, dass diese Arroganz jeder Grundlage entbehrt. Die Betriebswirtschaftslehre als Teilgebiet der Ökonomie ist unserer Ansicht nach ganz im Gegenteil ein enorm wichtiges Studium.
Hätten wird doch nur ein paar mehr BWLer in der Regierung, statt einer überbordenden Zahl an Juristen!
Denn noch immer bahnt die Juristerei für alle, die als Richter oder Staatsanwälte zu viel gesellschaftlichen Schaden anrichten würden, deren Anwaltskanzleien ohne fähigen Sozius nach kurzer Zeit Bankrott anmelden müssten und die auch sonst kein Industriebetrieb oder aber eine gesellschaftliche Institution als Syndikus verpflichten möchte, einen Königsweg zu den höheren Weihen und in die Versorgungsposten der Politik.
Die Frage, warum das so ist, kann wohl nicht einmal Gottvater zufriedenstellend beantworten. Das muss mit der Sozidynamik der zwanghaften Herausbildung von Negativeliten in hypersaturierten Gesellschaften zu tun haben.
Es ist, wie es ist. Ein gewichtiger Anteil am wirtschaftlichen Niedergang des Reiches lässt sich zweifelsohne diesem personellen Desaster zuschreiben.
Da barmen alle Kräfte im Reichstag, die noch in der Lage sind eins und eins zusammenzuzählen, man möge doch die vom Oval-Office-Idioten losgetretene Energiekrise für die Menschen erträglicher machen, indem der Staat zumindest zeitweise auf die blödsinnige CO²-Abgabe verzichtet und die Energiesteuer senkt, welche erkennbar den Kollaps der Volkswirtschaft, sowie die politische Instabilität der Gesellschaft forcieren.
Nö! Das wären ja Milliardenverluste! Um Himmels Willen! Woher soll denn dann die Kohle für die Taurus-Raketen, ein paar geradläufige Flinten für die Bundeswehr, die Milliarden-Geschenke für die Entwicklungsländer China und Indien, die woken Männerprojekte in Pakistan und die Abermilliarden für die korrupte Kiewer Banditenclique kommen?
Das bisschen Renten- und Sozialleistungskürzung bei den Deutschen macht diesen Kohl zumindest nicht fett.
Nee, die Mineralölsteuer und die CO²-Steuer müssen’s richten!
An diesem Punkt kommt unsere viel gescholtene und verhöhnte Betriebswirtschaftslehre in Spiel.
Die Rechnung ist sehr simpel.
Verkaufste viel zu hohem Preis – biste hinterher reich. … vorausgesetzt, du findest genügend Idioten, die dir deinen Kram abkaufen.
Find‘ste nich jenuch, nu, dann musste mit Preis’chen runtegeh‘n! Oder du wirst sehr schnell sehr arm!
Dann kommen da noch Faktoren wie Angebot und Nachfrage ins Spiel. Wenn man das begriffen hat, ist man schon ein Stückl weiter.
So – und nu setzen Sie sich mal hinters Lenkrad und fahren Ihr Automobil ein bisschen spazieren, wenn Ihr Haushaltsetat das noch hergibt! Wie Sie da so scheen durch Jottes und des Kanzlers Landschaft rollen … beschleicht Se da nich auch so das Jefiehl, das de Straßchens leerer sind jeworden?
Kann das also sein, dass die Leute nun bewusster überlegen, ob diese Fahrt nun sein muss, oder ob man das Automobil nicht doch lieber vorerst am ruhenden Verkehr teilnehmen lässt. Stehende Automobile mit abgeschaltetem Motor verbrauchen nämlich sehr viel weniger Sprit als fahrende.
Das bedeutet weiterhin, dass weniger Automobile pro Zeiteinheit die Tankstellen ansteuern und deren Kassen klingeln lassen.
Für alle, deren Mathematikunterricht in der Grundschule das reine Fegefeuer war:
Wenn ich hundert Schokladenweihnahchtsmänner für jeweils zwei Euro eingekauft habe und für zehn Euro verkaufen will, würde ich bei totalem Abkauf nach Adam Riese € 800,- Gewinn vor Steuer einstreichen. Wie gesagt, vorausgesetzt, ich finde 100 Interessenten.
Sagen wir, ich fände 100 Schokoladenweihnachtsmann-Interessenten, die aber nur maximal € 5,- pro Spaten zu investieren gewillt wären, dann passe ich meinen Preis an, begnüge mich € 300.- Gewinn oder schreibe € 200,- ab und in den Schornstein.
Böse wird es, wenn meine Interessenten zwar gerne die € 10,- pro Stück bezahlen würden, aber nicht einmal Zwei Euro fuffzich hinblättern könnten, weil’s im eigenen Portemonnaie ganz schön klamm aussieht. Also € 2,10 … das ginge gerade noch so.
Dann – Rechenschieber aus der Mappe nehmen und bereithalten! – bliebe mir wenigstens noch ein Vor-Steuer-Gewinn von € 10,- für alle verkauften Schokoladenweihnachtsmänner. Das ist nicht viel – aber wenigstens habe ich keine Miesen gemacht.
Bitte jetzt nicht klugscheißen! Das war jetzt nur ein sehr simplifiziertes Beispiel ohne Berücksichtigung aller anderen Erfordernisse, die ich für meinen Gewinn in der Preiskalkulation noch berücksichtigen muss.
Aber so in etwa funktioniert BWL.
Kehren wir jetzt zu unseren juristischen Nachtjacken zurück, die’s nicht so mit der Rechnerei halten und einen Rechenschieber auch schon mal durchaus mit einem Astrolabium verwechseln, ohne eine Ahnung davon zu haben, was ein Astrolabium überhaupt ist.
Herr Kinderbuchautor Dr. Robert H. war da so eine beispielhafte Koryphäe unseligen Angedenkens. Aber wenigstens spricht dieser ehemalige Vizekanzler und Wirtschaftsminister a. D. die dänische Zunge. Das ist in Kopenhagen sehr von Vorteil – in Berlin hielt sich der aus diesen Kenntnissen resultierende Profit eher in überschaubaren Grenzen.
Also sagen die Nachtjacken und politischen Windbeutel bar jeglichen Verständnisses für Zahlen: „Die steuerlichen und CO²-abhängigen Anteile am Spritpreis bleiben im Großen und Ganzen bestehen, wie sie sind – e basta!“
Was machen unsere mobilen „Weihnachtsmann-Käufer“? Sie antworten: „Für das Spritbudget ist nun mal nur so und so viel pro Monat vorhanden. Damit wir diesen Etat nicht überstrapazieren, muss halt weniger gefahren werden.
Hätte ich also als Fiskus – nur um mal eine Hausnummer zu nennen – im Monat in einem Teil des Bundesgebietes 1.000.000 Autofahrer an der Tanksäule mit jeweils einem Euro Stuer und Abgabe pro Liter Sprit gemolken und 100 Liter pro Nase verkauft, dann wäre mir ein Geldstrom von Einhundertmillionen Euro in diesem Gebiete zugeflossen.
Öl wird knapp. Die geschlossene Straße von Hormuz packt auf den Spritpreis siebzig Cent pro Liter drauf – ich lass aber nichts nach von meinen Steuern und Abgaben und sehe stattdessen ungerührt zu, wie der Spritpreis in Richtung € 2,20 davonschwebt. Kann man es unter diesen Umständen ein Wunder nennen, wenn in diesem Monat nur noch ein Drittel aller Automobilisten die Tankstellen ansteuert.
Auch die Spediteure müssen nunmehr die gestiegenen Spritkosten auf ihre Lieferrechnungen draufpacken, welche die Händler dann an der Endverbraucher durchreichen müssen. Der hat nun natürlich noch weniger im Beutel und kann daher mit den hohen Spritpreise nicht mehr mitgehen – Autofahren wird wieder zum Luxus – wie einst in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts – mit den entsprechend schlechten Straßenverhältnissen und den zu vernachlässigenden Einnahmen für den Staat aus dem automobilen Verkehr.
Wie das funktioniert? Rechenschieber raus oder Kopfrechnen: In unserem Exempel klappern auf einmal nur noch 30 Millionen in der Kasse. Ein Drittel! Hätte ich die Steuer- und Abgabelast um 50% gesenkt und die vorgenannte eine Millionen Autofahrer hätte diese Maßnahme mit einem normalen Tankverhalten goutiert, dann wären wenigsten noch 50 Millionen Euro in meine Staatskasse geflossen. Zwanzig Millionen haben oder nicht haben … So aber …
Sehen sie, soweit reicht es eben scheinbar bei denen staatstragenden Juristen nicht.
Nota bene – es gibt auch jede Menge schlaue Köpfe unter denen Juristen – wir hatten das Vergnügen, im Berlin-Lichtenberger Studentenwohnheim in der Coppistraße neben ihnen zu logieren und es war uns eine Ehre! Die aber wurden dann Richter, Staats- und erfolgreiche Rechtsanwälte, fähige Syndizi oder Rechtswissenschaftler.
So was geht doch nicht in die Politik – es sei den aus purer Lust am politischen Geschäft und dann erlebt man Größen wie Genscher oder Kubicki. Solche Titanen aus dem Hause der Justitia aber sind mittlerweile so selten geworden wie Bernstein in einer märkischen Kiesgrube.
Betriebswirtschaftlicher Unverstand und eine beispiellose Kurzsichtigkeit dominieren nunmehr das politische Tagesgeschäft.
Wir genießen derweil die staufreien Straßen, die uns ein stressarmes, nostalgisches Reiseerlebnis verschaffen, wie wir es das letzte Mal in den Sechziger Jahen erfahren durften. Das ewige Bremsen und Anfahren entfällt auch und hilft sehr beim Senken des Diesel-Verbrauchs. Ist doch nicht schlecht!
Die Aussicht auf die Kirchhöfe, die wir derweil passieren, genießen wir auch mit einer gewissen Vorfreude.
Denn die Hauptursache für Stress findet man gemäß einer Aussage Albert Einsteins nicht im Verkehrsstau, sondern im täglichen Umgang mit Idioten. Zumindest dieser bleibt uns auf dem Kirchhof mit tödlicher Sicherheit erspart.
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